Seit rund 5000 Jahren sind die Geschichte von Mensch und Pferd eng verbunden. Als Reiter und Pferdefreunde haben wir eine enorme Verantwortung für das Wohlergehen der einzelnen Tiere aber auch der ganzen Spezies Pferd. Zu diesem Zwecke hat die Deutsche Reiterlicher Vereinigung FN im Jahre 1995 die erste Auflage der 9 ethischen Grundsätze des Pferdefreundes herausgegeben.

Diese Grundsätze sollten für jeden Pferdefreund Teil des täglichen Handelns sein. Wir präsentieren und kommentieren sie hier – denn die eher kurzen Grundsätze kann man problemlos noch erweitern.

1. Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.

Das dieser Grundsatz auf Platz 1 steht ist unabdingbar. Das Wohl des Tieres hat für einen verantwortungsvollen Pferdefreund stets Vorrang vor eigenen Bedürfnissen, Sorgen und Wünschen.

Verantwortung übernehmen heißt aber nicht nur, dass man sich darum kümmert, dass das Tier körperlich gesund ist. Sondern auch, dass man sich um seine Ausbildung kümmert, seine Ausrüstung und nicht zuletzt auch die psychische Gesundheit des Tieres.

2. Die Haltung des Pferdes muss seinen natürlichen Bedürfnissen angepasst sein.

Ein klares und gleichzeitig wichtiges Bekenntnis gegen muffige Ställe und unpassende Ernährung. Es gibt nicht das perfekte Stallsystem, aber wir sollten uns über die verschiedenen Möglichkeiten informieren und die Haltung des Pferdes optimieren.

Wer seinem Pferd nur eine klassische Box bieten kann, muss es jeden einzelnen Tag entsprechend bewegen. Daran führt kein Weg vorbei.

3. Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.

Der Schlüsselteil dieser Regel ist für uns das „unabhängig von seiner Nutzung“. Damit wird deutlich gemacht, dass sowohl das geliebte Kinderpony und der preisgekrönte Turnierhengst, aber eben auch das alte Beistellpferd die gleiche Behandlung und Pflege verdient haben.

4. Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit oder Sport.

Der Teil verstärkt noch einmal mit Nachdruck das, was im vorherigen Grundsatz noch etwas versteckter dargestellt war.

Oftmals erleben wir zum Beispiel, dass die kleinsten Ponys nicht für voll genommen werden und ihre Bedürfnisse daher nicht erfüllt werden. Aber auch diese Tiere müssen angemessen verpflegt und umsorgt werden!

5. Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.

Für den durchschnittlichen Reiter ist dies eher eine abstrakte Forderung. Aber in ihr steckt etwas sehr Wichtiges: Unser heutiger Umgang mit den Pferden basiert auf ungefähr 3000 Jahren Geschichte.

Damals wurde aus dem reinen Beutetier und Essenslieferanten Pferd das Reit- und Arbeitstier das wir heute kennen. Alle Entwicklungen die in diesen 3000 Jahren falsch oder richtig gemacht wurden im Umgang mit den Tieren, führen uns zur heutigen Situation. Um unseren heutigen Umgang mit Pferden zu reflektieren und weiter zu entwickeln, ist eine Kenntnis dieser Gegebenheiten notwendig.

Gleichzeitig hat das Pferd einen enormen Anteil an der Geschichte der Zivilisation. Ohne die Kraft domestizierter Tiere wäre die Entwicklung unserer Erde vermutlich sehr anders verlaufen.

6. Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu beachten und zu fördern.

Das heißt im Klartext: Wenn Kinder an einer Weide stehen und eure Pferde beschauen, treibt sie NICHT einfach genervt weg. Setzt euch stattdessen mit ihnen auseinander. Erklärt ihnen, wieso sie den Tieren vielleicht Angst machen könnten. Ladet sie ein die Tiere zu streicheln.

Und nicht vergessen: Nicht nur der menschliche Nachwuchs wird durch den Kontakt mit den Tieren gefördert. Auch wir als Reitergemeinschaft benötigen Nachwuchs!

7. Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.

Das würden wir nicht nur auf Sportpferde reduzieren, sondern auf jegliche Art der Pferdehaltung. Wichtig ist hier auch das gegenseitige geben und nehmen. Der Reitlehrer bringt uns etwas bei. Und wir dem Pferd. Aber auch das Pferd bringt uns durch sein Verhalten etwas bei.

Ein gegenseitiges fördern und fordern ist der Schlüssel zu einem Pferde und Reiterleben!

8. Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.

Das heißt auch, die natürlichen Grenzen des Tieres zu kennen und zu akzeptieren. Mit Training ist es möglich diese ein Stück weit zu dehnen, aber dies sollte nie zu Lasten des Tieres gehen.

Gleichzeitig sollten auch wir Menschen unsere eigenen Grenzen kennen und die unserer Mitreiter oder Schützlinge. Alle Beteiligten sollen sich stets wohlfühlen mit den gestellten Aufgaben.

9. Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch auf das Lebensende des Pferdes. Dieser Verantwortung muss der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden.

Verantwortung am Lebensende des Pferdes heißt, einen Freund gehen zu lassen, wenn er sich nur noch quält. Es heißt aber auch, kein Leben unnötig zu beenden, weil uns das Tier unbequem wird. Darüber hinaus müssen wir uns den sich ändernden Bedürfnissen anpassen und uns rechtzeitig auf diese einstellen.

Weitere Informationen zu den 9 Ethischen Grundsätzen finden sich hier auf der Homepage der FN.


Wie seht ihr diese Grundsätze? Sind sie für euch noch aktuell oder gehören sie überholt? Hinterlasst uns einen Kommentar!

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