Wir schreiben oft, dass Pferd und Reiter eine Einheit bilden sollen. Eine der größten Baustellen vieler Pferdefreunde ist hierbei die Balance beziehungsweise das Gleichgewicht. Was dahinter steckt und welche Tipps und Tricks für mehr Balance es gibt, erklären wir dir hier!

Wieso Gleichgewicht und Balance beim Reiten wichtig sind:

Gleichgewicht haltenPferd und Reiter müssen beide ausbalanciert sein, damit das Pferd vernünftig laufen kann und der Reiter nicht zur Last wird oder gar stürzt. Bei fehlender Balance habt ihr im besten Fall nur mit Verspannungen, Hektik oder Angst zu kämpfen.

Das kann zum Beispiel dazu führen, dass das Pferd besonders schnell wird – es versucht der Situation zu entkommen. Andere Pferde verkrampfen selbst, sie sind zu stark damit beschäftigt euch auszubalancieren und kommen dabei kaum noch vom Fleck.

Ein Reiter, der sein eigenes Gleichgewicht nicht findet, kann dem Rücken des Pferdes aber auch wirklich schaden oder sich auch selbst verletzen. Insbesondere bei schnelleren Gangarten lauert hier der unfreiwillige Abstieg aus dem Sattel.

So oder so verhindert eine gestörte Balance die Wirksamkeit von Reithilfen und schadet dem reiterlichen Erfolg und Spaß!

Aus diesen Fakten ergeben sich drei wichtige Schritte bzw. Herausforderungen:

  1. Du als Reiter musst Dein eigenes Gleichgewicht auf dem Pferderücken finden. Dabei darfst du die Balance des Pferdes nicht stören.
  2. Dein Pferd muss sich unter Dir ausbalancieren, dies geht nur mit Deiner Hilfe.
  3. Ihr müsst zusammen als Team einen gemeinsamen Schwerpunkt finden.

Wie ihr diese drei Punkte umsetzen könnt erklären wir nun ausführlich.

Die Voraussetzung für dein Gleichgewicht:

Die erste der drei genannten Herausforderungen verlangt dem Reiter sicherlich am meisten ab.

Der richtige SitzDer Schlüssel zum Reiten im Gleichgewicht ist ein korrekter Sitz des Reiters – diese alte, oft gehörte, Parole ist immens wichtig! Wer nun denkt, ein korrekter Sitz wäre ein möglichst steifer, erhabener, der irrt. Vielmehr geht es darum in allen Gangarten mit möglichst wenig Muskelspannung sitzen zu können.

In der normalen Vorwärtsbewegung wird dem entsprechend mitgeschwungen, man spricht vom schwingen „im Pferd“, da man quasi ein Teil der Bewegung des Tieres wird.

Ein abkippen des Oberkörpers, ein Strecken der Wirbelsäule oder andere Verrenkungen haben zu unterbleiben. Eine Anspannung im Oberkörper blockiert nämlich die Wirbelsäule und damit die stoßdämpfende Funktion dieser – was eine größere Belastung für den Pferderücken bedeutet. Selbst Fehler in der Haltung der Zügel können sich über die Muskeln auf die Belastung des Rückens auswirken.

Losgelassenes Sitzen ist also die Devise! Möglichst wenig Anstrengung und eine gute Grundbeweglichkeit sind die wichtigsten Bausteine.

Die Umsetzung in den verschiedenen Gangarten:

Die verschiedenen Gangarten bergen verschiedene Herausforderungen. Wir widmen uns hier dem richtigen Verhalten in den wichtigsten Gangarten.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Im Schritt fällt sowohl den Pferden als auch uns Reitern die Balance am einfachsten. Kein Wunder, der Schritt des Pferdes ähnelt dem des Menschen. Gleichzeitig können wir uns aufgrund der meist geringen Geschwindigkeit sehr stark auf unser Körpergefühl konzentrieren.

Ein ruhiger, aufgerichteter Oberkörper ist hier bereits die halbe Miete. Die Schenkelhilfen holt sich das Pferd hier übrigens quasi selbst, der Takt bewegt den Pferdebauch abwechselnd zum linken und rechten Bein des Reiters. So könnt ihr euch noch mehr auf einen guten Sitz konzentrieren! Ein aufrechter, erhabener Sitz fühlt sich nur für euch gut an, auch das Pferd bekommt dieses positive Körpergefühl mit.

Vorwärts und Aufwärts – der Trab

Im schnelleren Trab bemerkt der angehende Reiter nicht nur eine Vorwärtsbewegung sondern auch eine vertikale Bewegung des Pferderückens. Wenn das Pferd viel Schwung entwickelt kann es euch regelrecht aus dem Sattel katapultieren. Spätestens wenn nach dem Höhenflug dann die unkontrollierte Landung im Sattel erfolgt, ist die Balance dahin.

Einfache Abhilfe schaffen der leichte Sitz, bei dem das Gesäß den Sattel nicht berührt oder das Leichttraben, in dem wir nur bei jedem zweiten Takt kurz in den Sattel huschen. Hier federt also nicht die Wirbelsäule den Schwung ab, sondern Oberschenkel, Knie und auch die Fußgelenke. Beim Leichttraben sollte man sich von der Bewegung des Pferderückens hochwerfen lassen. Beim setzen wiederum sollten die Oberschenkel dein Gewicht tragen, der Sattel wird wirklich nur kurz berührt und nicht stark belastet.

Aber auch ein Aussitzen ist möglich: Stellt euch vor extrem schwer zu sein und quasi in die Länge zu wachsen: Die schweren Beine ziehen nach unten, der Kopf scheint nach oben zu wachsen. Wenn ihr dies richtig macht, federt eure Wirbelsäule weiterhin die Bewegungen des Pferdes ab. Dafür darf sie weder zu gerade noch zu gebeugt sein. Weder „Brust raus“ noch der Katzenbuckel haben hier etwas zu suchen!

Der rollende Galopp

Wieder anders sieht es im Galopp aus! Da der Galopp aus einer Reihe verschiedener Sprünge besteht, ist nur noch wenig von der aus dem Schritt bekannten Bewegung übrig. Gleich bleibt aber die Anforderung an die Körperhaltung: Aufrecht aber nicht komplett gerade gezogen.

Eine besondere Bedeutung hat im Galopp die Hüfte. Bei jedem Sprung des Pferdes musst du deine Hüfte vorschieben, das Becken soll eine Rollbewegung nach vorne und oben beschreiben. Darauf folgt eine kurze Entspannung, in der du kurz „in das Pferd“ einsinkst, bis mit dem nächsten Spung die nächste Rollbewegung folgt.

Wichtig: Rollen heißt hier nicht, den Oberkörper zusammensacken zu lassen, sondern die Bewegung im Gegenteil von unten nach oben auszuführen.

Sobald wir den korrekten Sitz in den drei Grundgangarten beherrschen und auch die Übergänge kein Problem mehr darstellen, sind wir unserem Ziel schon ein gutes Stück näher gekommen.

Die Balance des Pferdes

Sitz im GaloppDie richtige Balance des Pferdes ist wie beschrieben nur mit der Hilfe des Reiters möglich. Darunter verstehen wir, dass das Pferd lernt unser Gewicht auf eine möglichst effiziente Art und Wiese zu tragen. Kraft soll gespart werden, Verletzungen vermieden und Muskeln und Knochen geschont.

Ein Reiter in voller Montur, eventuell in Kombination mit einem Sattel, ist kein unerhebliches Gewicht, auch nicht für ein starkes Pferd. Das Tier muss daher lernen dieses Gewicht und die Belastung der verschiedenen Gangarten richtig auf Vorder und Hinterbeine zu verteilen. Die Position des Sattels würde normalerweise dazu führen, dass die Vorderhand stärker belastet wird als die eigentlich kräftigeren Hinterbeine.

Um dies zu verhindern muss das Pferd seinen Schwerpunkt verlagern. Hierfür muss es seine Vorderhand anheben und mit der Hinterhand stärker nach vorne schieben. Untrainierte Pferde haben hiermit oft Probleme, entsprechende Schenkel und Zügelhilfen sind in diesen Fällen hilfreich. Auch kann der Reiter selbst seinen Schwerpunkt ebenfalls nach hinten verschieben, was dem Pferd hilft und auch zur Nachahmung imitiert.
Siehst du?

Das korrekte Training der Muskeln des Pferderückens und der Beine ist das A und O um die Balance des Pferdes zu verbessern, denn nur eine starke Hinterhand und ein muskulöser Rücken können den Schwerpunkt richtig verlagern und das Gewicht des Reiters ohne negative Folgen ausbalancieren.

Der gemeinsame Schwerpunkt

Der Zentaur aus der Mythologie hat es einfach, er ist Mensch und Pferd zugleich und beide Körperteile unterliegen einem Willen und werden gemeinsam ausbalanciert. Bei uns hingegen gilt es diesen Zustand künstlich zu erreichen – wir müssen ein Team werden!

In der Praxis heißt dies, dass das Pferd sich dem Reiter oder der Reiter sich dem Pferd anpassen muss. Im Idealfall geht dies Hand in Hand, je nach Situation. Während der Reitanfänger sich in der Regel dem Pferd anpasst und so die Bewegungen kennen lernt, kann der fortgeschrittene Reiter das Pferd gezielt beinflussen.

Bei den meisten Reitern wechseln Aktion und Reaktion laufend, Pferd und Reiter kommunizieren quasi über ihr Gleichgewicht miteinander. Wenn sich ein Reiter in die Kurve legt verstärkt dies zum Beispiel die Zentrifugalkraft, das Pferd fühlt sich beim schnellen Ritt in der Kurve oder auf dem Zirkel dadurch sicherer und stabiler.

Hierauf basieren die Gewichtshilfen. Diese werden wir jedoch in einem weiteren Artikel behandel!


Wie ergeht es euch, seid ihr leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen oder ist dies bei euch schon lange kein bewusster Vorgang mehr? Hinterlasst uns einen Kommentar!

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