Von der Bodenarbeit liest man immer wieder, viele Reiter schwärmen für sie, andere stempeln sie als Zeitverschwendung ab. Aber was genau steckt eigentlich dahinter? Wir gehen der Frage nach.

Die Definition der Bodenarbeit:

Bodenarbeit bezeichnet all die Tätigkeiten die wir direkt mit dem Pferd, vom Boden aus, ausführen, ohne auf ihm drauf zu sitzen. Strenggenommen würde hier drunter also auch das Verladen eines Pferdes in einen Hänger oder das Aufsatteln fallen. Die meisten Reiter verwenden den Begriff aber anders. Nämlich hauptsächlich für Aktionen, in denen das Pferd und im Idealfall auch der Mensch, etwas lernen. Wir machen also vom Boden aus Übungen mit dem Pferd, um beim Reiten Fortschritte zu erzielen.

Ein klassisches Beispiel wäre das Trainieren von kleinen Zirkuslektionen. Wir halten uns in diesem Artikel ebenfalls an diese etwas genauere und eingeschränktere Definition.

Die Hintergründe:

Die Bodenarbeit ist also eine Abwechslung vom normalen Reiten. Pferd und Reiter begegnen sich hier im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe. Die Kommunikation mit dem Pferd ist viel direkter, sowohl Mensch als auch Tier können viel besser auf die Körpersprache des jeweils anderen achten.

Da Pferde nicht von Natur aus als Reittiere geboren werden, ist es natürlicher, wenn wir am Boden mit ihnen arbeiten. Gerade Pferde die Probleme mit Menschen oder dem Reiten haben, kann man daher auf diesem Weg sehr gut erreichen. Wir können in Ruhe vertrauen aufbauen, ohne gleich mit Sattel und Trense in die Vollen zu gehen. Und natürlich kann man Pferde mit schwacher Rückenmuskulatur so sehr gut bewegen.

Belohnung bei der BodenarbeitGearbeitet wird oft weniger mit Stricken und Gerten, sondern mit Belohnungen für positive Verhaltensmuster. Negative ignorieren oder unterbinden wir, positive werden jedoch umgehend belohnt und bekräftigt. Pferdefreund und Pferd wachsen dabei in der Regel zu einem besseren Team zusammen, wenn die Bodenarbeit vernünftig und regelmäßig durchgeführt wird.

Neben speziellen Übungen wie den Zirkuslektionen können wir natürlich auch klassische Reitübungen in der Bodenarbeit durchführen und trainieren. Seitengänge, Schulter herein, Rückwärts gehen usw. können wir am Boden üben, damit wir sie in der nächsten Reitstunde gemeinsam meistern.

Die Schritte die wir in den Bodenarbeit machen sind klein und brauchen ihre Zeit. Dafür sind sie umso wirkungsvoller, sobald sie einmal eingeübt sind.

Das Pferd lernt im Idealfall:

  • Körperkoordination – es kann mehr auf seinen eigenen Körper und das eigene Gleichgewicht achten, da das Gewicht eines Reiters fehlt.
  • Konzentration – in der Bodenarbeit fehlt oft eine direkte Kontrolle, das Pferd muss also von selbst bei der Stange bleiben und Probleme lösen, wenn es die Belohnung bekommen möchte.
  • Bessere Kommunikation – das Pferd nimmt eher wahr wie der Mensch tickt. Auch feine Signale des Menschen werden schnell lesen gelernt.
  • Vertrauen – etwa durch das gemeinsame abgehen von Stellen die dem Pferd nicht geheuer sind und dem überwältigen von Hindernissen.
  • Gelassenheit – dies ergibt sich aus dem Zusammenspiel der restlichen Punkte.

Der Mensch lernt im Idealfall:

  • Körpersprache deuten – von der Bodenperspektive aus lernen wir viel schneller, was das Tier gerade umtreibt und wie es tickt.
  • Bewegungen besser verstehen – wie sich die Beine in welcher Situation bewegen und wohin das Pferd dabei den Blick richtet, hilft uns ungemein.
  • Ruhe und Gelassenheit – sie stellen sich bei der Bodenarbeit für viele schneller ein, als vom Sattel aus.
  • Verständnis – ein Pferd ist kein Mensch und kein Sportgerät, sondern ein komplexes Tier. Die Arbeit mit dem Pferd am Boden hilft dies zu vergegenwärtigen.

Buchtipp:

Das Buch „Bodenarbeit mit Pferden: Abwechslungsreiche Übungen, die Spaß machen*“ von Sigrid Schöpe bietet einen wunderbaren Einblick in die Welt der Bodenarbeit. Auf 80 Seiten präsentiert die Autorin Übungen die Abwechslung in den Alltag bringen und das Team aus Pferd und Mensch stärken.

Das Buch ist ideal für alle, die in das Thema hineinkommen wollen, denn es bietet einen wirklich sehr breiten Einblick in die Thematik.

Wer jedoch bereits einiges an Erfahrung mit Bodenarbeit hat, sollte sich vielleicht lieber ein spezialisiertes Buch kaufen.

(* = Affiliatelink)


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